Studer & Co AG
Distillerie
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Das Feuerzeug der Erdmännchen

Ein Erdmännchen hatte einst eine grosse Zuneigung zu einem Mädchen aus dem Dorfe Escholzmatt, und es kümmerte sich sorglich um dessen Wohlergehen. Als sich die Tochter eines Tages, wie das halt zu kommen pflegt, in einen jungen Burschen verliebte, wurde das Erdmännchen sehr traurig und beschwor das Mädchen, von diesem Burschen abzulassen, denn er sei nicht der Richtige.

Das Mädchen gehorchte vertrauensvoll und liess von seinem Burschen ab. Es kam ein anderer, der ihm wohlgefiel, und wieder fragte das Mädchen das Männchen um seine Meinung. Diesmal zeigte sich der Kleine einverstanden, die jungen Leute vermählten sich und bei der Hochzeit übergab das Männchen der Braut ein Geschenk für den Bräutigam.

Nach der Hochzeit besahen sich die beiden Leute das Geschenk und waren nicht wenig überrascht, als sie nur ein einfaches Feuerzeug aus Stahl erblickten. Das Erdmännchen, das hinzutrat und ihr Erstaunen bemerkte, nahm den Bräutigam zur Seite und sprach zu ihm: «Das Geschenk ist nicht so gering, wie du jetzt glaubst. Es scheint ein gewöhnliches Feuerzeug zu sein und ist ein grosser Schatz, zu dem du Sorge tragen sollst. Gebrauche den Stein nur in höchster Not! Wenn du ihn aber schlägst, vernimmst du eine Stimme, die nach deinem Anliegen fragt. Antworte, ohne umzusehen, was du wünschest, und dein Wunsch ist erfüllt. Erzähle deiner Frau nichts von diesem Feuerzeug.»

Im Frühjahr streifte der junge Mann einmal über eine Fluh, er sah eine prächtige Blume und wollte sie für seine Frau pflücken. Da er ein guter Kletterer war, erreichte er bald die Blume und ergriff sie. Da begann der Felsen plötzlich zu bröckeln, und rasch und rascher kam das Gestein ins Rutschen. Der Mann konnte sich noch mit einer Hand an einem Strauche festhalten, er schwebte hilflos zwischen Himmel und Erde; lange konnte das nicht dauern, dann musste er in die Tiefe stürzen.

In dieser Not erinnerte er sich seines Feuerzeuges. Mit der freien Hand kramte er es aus seiner Tasche, er vermochte den Stein zwischen die Finger der andern Hand zu drängen und schlug ein Feuer. Kaum sprang der erste Funke, fragte hinter ihm eine Stimme, was er wolle, und kaum verlangte er seine Rettung, fühlte er sich gepackt und sorglich auf eine Wiese gesetzt. Der Mann steckte sein Feuerzeug ein und schwieg zu Hause von seinem Erlebnis.

Jahre vergingen, da erkrankte die Frau, und das Erdmännchen vernahm davon. Es brachte Arzneien aller Art, doch der Mann misstraute den Mitteln. Die Frau wurde stündlich schwächer, sichtbar nahte der Tod, da fasste der Mann in seiner Verzweiflung nach seinem Feuerzeug, aber wie er in die Tasche griff, war das Feuerzeug verschwunden. Sein Misstrauen hatte ihn um die Gabe des Männchens gebracht. In seiner Not bat er das unsichtbare Erdmännchen zu helfen und ihm das Feuerzeug wieder zu leihen. Und er spürte das Feuerzeug in seiner Hand, schlug den Funken und hörte die Stimme, und er bat um die Genesung seiner Frau. Die Frau genas.

Wieder verstrichen Jahre. Das Schicksal nahm einen bösen Weg, die beiden Leute kamen in tiefe Not, der Mann verfiel dem Trübsinn, haderte mit Gott, verwünschte sein Geschick, und als er wiederum in letzter Verzweiflung vor sich hinstarrte, fiel ihm zum dritten Mal sein Feuerzeug ein. Freude erhellte sein Gesicht, aber wie er nach dem Feuerzeug griff, war es verschwunden, und nun half kein Flehen mehr. Da entschloss sich der Mann, seiner Frau das Geheimnis zu verraten, denn er hoffte, dass ihr Flehen das Erdmännchen erweiche. Dieses liess sich noch einmal umstimmen und gab zum dritten Mal das Feuerzeug, auch der Frau einschärfend, niemals um sich zu blicken, wenn sie hinter sich die Stimme des unsichtbaren Helfers hörte.

Nun suchte die Frau, das Glück zu zwingen und die Not zu wenden. Sie schlug das Feuerzeug, sie vernahm die fragende Stimme, aber aus Neugier wandte sie den Kopf nach der Stimme. Der Mann, der neues Unglück kommen sah, fasste sie rasch mit beiden Händen und zwang sie, vorwärts zu blicken. Und während so der Mann den Kopf seiner Frau zwischen den Händen hielt und die Frau erschrocken um ein kleines Vermögen bat, füllte sich auf dem Tisch ein Becken bis zum Rande mit blinkenden Krontalern. So wurde den beiden ein letztes Mal geholfen und nun lebten Sie zufrieden und ohne Sorgen.

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